Die Nationale Drogenkontrollzentrale (NPC) hat den umfangreichen Fall mit dem Decknamen „Kosmar“ erfolgreich abgeschlossen. Die Ermittlungen deckten eine organisierte Gruppe auf, die in den vergangenen Monaten dutzende Kilogramm hochreinen Kokains sowie weitere synthetische Drogen in die Tschechische Republik eingeführt hat. Der gesamte Fall geht nun mit dem Vorschlag zur Anklageerhebung gegen acht Personen vor Gericht.
Foto: NPC SKPV
Details zur ungewöhnlichen Maskierung der Drogen und zur Funktionsweise der Gruppe erläuterte die Pressesprecherin der NPC SKPV, Lucie Šmoldasová:
„Die Kriminalisten der Nationalen Drogenkontrollzentrale haben vorgeschlagen, sieben Ausländer und einen Tschechen anzuklagen. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, über dreißig Kilogramm Kokain sowie weitere Drogen von Deutschland nach Tschechien geschmuggelt zu haben. Die Reisen der Angeklagten nach Deutschland und zurück nach Prag folgten laut unseren Erkenntnissen stets demselben Szenario: Der Organisator oder seine rechte Hand brachten zwei, manchmal drei Kuriere mit dem Auto nach Berlin, wo sie für diese kurzzeitig eine Wohnung anmieteten. Dort beschafften sie illegal zwei bis drei Kilogramm Kokain, das in Form von Kilogramm-Ziegeln gepresst war, sowie die gleiche Anzahl an Torten. Für jeden Ziegel Kokain zahlten sie rund 25.000 Euro (über 600.000 Kronen). In Prag verkauften sie diesen dann um mehrere hunderttausend Kronen teurer weiter.
In der gemieteten Wohnung teilten die Kuriere das Kokain auf und versteckten die einzelnen Ziegel so in den Torten, als wären sie Teil des Tortenbodens. Die Torte wurde anschließend mit Schlagsahne dekoriert, um weder den Inhalt noch den Schnitt zu verraten, mit dem die ‚Füllung‘ eingesetzt wurde. Damit die Torten die Rückreise unbeschadet überstanden, wurden sie in Kartons verpackt und in einer Tasche mit dem Bus von Berlin zum Prager Busbahnhof Florenc transportiert. Jeder reiste mit einer anderen Verbindung, jedoch innerhalb einer Nacht. Bei einigen Fahrten sollen sie zudem weitere Drogen unter der Kleidung in ihren Taschen versteckt haben.“
Foto: NPC SKPV
Die Ermittler stellten zudem fest, dass das Begleitfahrzeug in derselben Nacht nach Tschechien zurückkehrte. Zunächst am Steuer saß eines der Gruppenmitglieder; nachdem dieser seinen Führerschein verloren hatte, übernahm der Organisator selbst das Fahren. Nach der Rückkehr nach Prag sollten die Kuriere das Kokain in der Wohnung eines der Beteiligten oder in einem vom Gruppenchef gemieteten Container lagern. Die Belohnung für den Import einer speziellen ‚Torte‘ betrug 25.000 Kronen. Ein Teil des Kokains wurde in Prag in kleinere Mengen für den weiteren Vertrieb aufgeteilt. Der Preis für einhundert Gramm bewegte sich etwa zwischen 100.000 und 150.000 Kronen. Kleinere Dosen vertrieben die Gruppenmitglieder über die App Telegram, wo auch weitere Drogen wie Pervitin (Methamphetamin), MDMA oder LSD angeboten wurden. Preise und Verkaufsprovisionen legte der Organisator fest. In zwei Fällen half auch dessen Partnerin bei der kriminellen Tätigkeit.
Über die Telegram-App soll der Organisator der Gruppe, der früher als Barkeeper arbeitete, im Jahr 2020 zunächst illegal Marihuana vertrieben haben. Da die Abnehmer jedoch Interesse an weiteren Substanzen zeigten, verlagerte er seinen Fokus auf den Verkauf von Kokain – von Mengen im zweit- und dreistelligen Grammbereich aus Berlin bis hin zu Kilogramm-Lieferungen durch Kuriere. Unter den Kurieren befanden sich auch jüngere Personen in finanzieller Not. Die Kuriere, die teils unter zwanzig Jahre alt waren, wurden von einem älteren Freund des Organisators beaufsichtigt.
Die organisierte Gruppe agierte mindestens vom Sommer 2024 bis Februar 2025, als die ersten Verdächtigen festgenommen wurden. Ihre kriminellen Aktivitäten wurden in Zusammenarbeit mit der deutschen Polizei dokumentiert. Im Rahmen der Operation „Kosmar“ stellte die Polizei vier Ziegel Kokain sowie weiteres, bereits portioniertes Kokain sicher. Insgesamt handelte es sich um 4,8 kg Kokain sowie fast 6 kg Cannabis-Trockenmasse; zudem Methamphetamin, Haschisch, Ketamin, Gemische sowie Tabletten mit MDMA, 70 g LSD und psilocybinhaltige Pilze. Einige Gramm MDMA und Ketamin waren als Gemisch vorbereitet, das als ‚Rosa Kokain‘ bezeichnet wird. Die Kriminalisten beschlagnahmten zudem eine Hydraulikpresse zur Drogenaufbereitung, Bargeld in Gesamthöhe von über einer halben Million Kronen, ein Fahrzeug und Luxusuhren im Wert von über 400.000 Kronen.
Im Zuge der Ermittlungen wurde das Strafverfahren auf zwei weitere Personen ausgeweitet, die hochreines Kokain von der Gruppe für den weiteren Vertrieb in Prag und Umgebung bezogen haben sollen. Laut Abschlussbericht der Ermittlung führten die Gruppenmitglieder insgesamt über 30 kg Kokain und andere Drogen aus Deutschland nach Tschechien ein, darunter beispielsweise mehr als dreitausend Einheiten LSD (sog. ‚Trips‘). Gehandelt wurde zudem mit Methamphetamin, Ketamin, MDMA-Tabletten oder dem Drogengemisch ‚Rosa Kokain‘. Fünf Personen befinden sich derzeit in Untersuchungshaft, gegen drei wird auf freiem Fuß ermittelt. Einigen der Beschuldigten drohen bis zu 18 Jahre Haft.
