Die landesweite Aktion „Lange Nacht der Kirchen“ öffnet am Freitag, den 29. Mai, die Tore sakraler Denkmäler. Ein außergewöhnliches Programm erwartet die Besucher in der Hussitischen Kirche (Husův sbor) in Cheb (Eger) in der Vrbenského-Straße. Das Gebäude diente in der Vergangenheit als Sitz der geheimnisvollen und eigenwilligen Schlaraffia-Vereinigung. Besucher haben die einmalige Gelegenheit, einen Blick in Räume mit faszinierender Geschichte zu werfen, die original erhaltene Innenausstattung zu besichtigen und ein abenteuerliches Familienspiel zu erleben.
Der Höhepunkt des Abends ist um 20:00 Uhr der Vortrag des bekannten Autors und Historikers Mgr. Aleš Česal, gefolgt von einer Themenausstellung, die sich den Ritualen dieser besonderen Gemeinschaft widmet.
„Die Schlaraffia weckt in den Köpfen der Menschen bis heute oft die Vorstellung einer geheimnisvollen, vielleicht sogar freimaurerischen Bruderschaft, aber die Realität ist weitaus amüsanter. Es handelte sich um eine Bewegung, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Prag als scharfe Parodie auf den damaligen hochnäsigen Adel und elitäre Clubs entstand. Einflussreiche Männer der Stadt – Ärzte, Juristen oder Beamte – trafen sich hier in Masken, trugen Narrenkappen und spielten rituell mittelalterliche Ritter. Bei den Treffen herrschte ein strenges Verbot von Politik und Religion, im Mittelpunkt standen Humor, Freundschaft und Kunst. Die Egerer Bürger bauten für diesen Zweck eine wahrlich prachtvolle Burg, deren Geheimnisse wir gemeinsam lüften werden“, erklärt Historiker Aleš Česal.
Eine einzigartige Burg des Baumeisters Kraus
Der Egerer Zweig der Vereinigung, genannt das Reich „Egra“, wurde im Jahr 1902 gegründet. Ihren eigenen Sitz, der bis heute an eine mittelalterliche Festung erinnert, ließ die Vereinigung in den Jahren 1910 bis 1913 errichten. Den Bau nach einem Konzept des Weimarer Architekten Rudolf Zapfe setzte der Egerer Baumeister Franz Kraus um, der selbst als „Francillon Edler von Burgau“ ein aktives und geschätztes Mitglied der Schlaraffia byl.
Kraus ließ das schlaraffische Ritterspiel perfekt in den Bau einfließen. Von außen besticht das Gebäude durch eine wehrhafte neugotische Fassade mit Zinnen, während die Innenräume im mystischen neoromanischen Stil mit reichem Stuckdekor gestaltet wurden. Dank der späteren Umsicht der Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche ist dieses Objekt eine absolute Rarität – als einziger Ort in der Tschechischen Republik ist hier die komplette Originalausstattung erhalten geblieben, weshalb das Haus zu Recht unter Denkmalschutz steht. Das Vereinsleben in Eger wurde erst durch den Zweiten Weltkrieg beendet, als die Nationalsozialisten solche Organisationen flächendeckend verboten.
Programm für die ganze Familie
Die Tore der Hussitischen Kirche öffnen sich am Freitag um 18:00 Uhr, das Programm dauert bis in die späten Nachtstunden. Auch Familien mit Kindern kommen auf ihre Kosten: Den ganzen Abend über wird das Abenteuerspiel „Die Reise zum Geheimnis des Kelches“ angeboten, bei dem kleine Entdecker Aufgaben lösen und verborgene Geheimnisse lüften können.
Zeitplan des Abends:
- 18:00 Uhr – Konzert des Klarinettentrios der Schwestern Fryš (Schülerinnen der Musikschule Cheb)
- 19:00 Uhr – Musikauftritt der Geiger aus der Klasse von Jana Cenknerová (Musikschule Cheb)
- 20:00 Uhr – Vortrag von Aleš Česal und Eröffnung der Themenausstellung
- 21:00 Uhr – Filmvorführung über die Geschichte der Kirche und die biblische Sintflut
- 22:00 Uhr – Projektion biblischer Geheimnisse mit moderner Erklärung
