Ein schwerwiegender Vorfall vom Mittwoch, dem 20. Mai, hat in Eger (Cheb) eine riesige Welle der Empörung ausgelöst. Ein unbekannter Vandale besprühte die Schaufenster des Begegnungszentrums der deutschen Minderheit am Marktplatz sowie des Gemeinschafts- und Bildungszentrums im Egerer Stöckl (Špalíček) großflächig mit roter Farbe und Hakenkreuz-Symbolen. Die Mehrheit der Menschen ist von dieser Tat zutiefst erschüttert und einig darüber, dass solche Kundgebungen von Extremismus absolut keinen Platz in unserer modernen Gesellschaft haben.
3x foto: Soziale Netzwerke von O. Topinka
„Die Egerer Kriminalpolizei befasst sich intensiv mit dem Fall und prüft den Vorfall wegen des Verdachts einer Straftat. Gleichzeitig ermittelt die Polizei die Umstände des Vorfalls sowie die Identität des Täters“, so Polizeisprecher Jakub Kopřiva.
Zu dem gesamten Vorfall äußerte sich auch Ondřej Topinka sehr scharf: „Im Ernst jetzt? Werden wir zu Opfern von Hass, oder hat er die Gesellschaft schon völlig vereinnahmt? Ich würde gerne den Idioten sehen, der das Bedürfnis hatte, sich auf diese Weise ‚künstlerisch zu profilieren‘. Wenn ich mir vor Augen führe, was für eine Welle der Intoleranz in den letzten Tagen über die deutsch-tschechischen Beziehungen hereinbricht, kommt mir der Gedanke, dass von unserer Seite – nicht von allen – die Versöhnung selbst nach 80 Jahren noch nicht da ist. Vielleicht sind auch deshalb Diskussionsplattformen für Debatten, gemeinsame Aktivitäten und Treffen zwischen Vertretern beider Seiten so notwendig.
„Die Stadtleitung von Cheb verurteilt aufs Schärfste den Vandalismusakt, der sich heute Nacht ereignet hat. Ein bislang unbekannter Täter hat Nazi-Symbole auf die Schaufenster der Sitze des Bundes der Deutschen – Region Egerland und der Gemeinschaft für Gemeinschaftsaufklärung (Komunitní osvětové společenství) auf dem Marktplatz (náměstí Krále Jiřího z Poděbrad) gesprüht. Wir vertrauen darauf, dass es der Polizei der Tschechischen Republik gelingen wird, den Täter bald zu fassen und zu überführen. Gleichzeitig wird bereits daran gearbeitet, dass die Nazi-Symbole so schnell wie möglich von den Schaufenstern entfernt werden.“
Es tut mir leid, quasi live mitansehen zu müssen, wie leicht es ist, in der Bevölkerung etwas Negatives zu säen, das nicht einmal eine reale Grundlage haben muss. Leute, bitte, lasst uns wieder zu Dialogen zurückkehren. Lasst uns wieder lernen, mit Argumenten zu debattieren, nicht mit Emotionen. Wir müssen jeder bei uns selbst anfangen, sonst ertrinken wir im Hass. Lasst uns auch an unsere gewählten Volksvertreter appellieren, die mitverantwortlich dafür sind, Hass unter den Menschen zu säen. Höflichkeit ist keine Schwäche! Hass gehört nicht in die Gesellschaft!“
