Der Kammerbühl (Komorní hůrka), ein unscheinbarer erloschener Vulkan bei Franzensbad, der Geschichte schrieb. Genau hier ist Jan Buriánek seit fast zwei Jahren als Reiseleiter tätig. Er ist zugleich Kastellan der Burg Seeberg – beide Denkmäler unterstehen dem Städtischen Kulturzentrum Franzensbad. Mit der Führung auf diesem einzigartigen Vulkan hat er sich einen Kindheitstraum erfüllt, denn für Vulkane und Mineralien interessiert er sich schon seit seiner Jugend.
„In diesem Jahr eröffnen wir bereits die dritte Saison, in der ich Interessierte nicht nur durch die malerische Umgebung des Kammerbühls führen kann, sondern sie auch direkt in das Innere der Erde begleite – in den einzigartigen Goethe-Stollen im Untergrund“, erzählt Jan Buriánek mit Begeisterung.
Auf die Frage, wie lange die Vorbereitungen für die Zugänglichmachung des etwa 30 Meter langen Stollens dauerten, antwortet er: „Hier muss ich an erster Stelle den Seismologen Milan Brož vom Geophysikalischen Institut der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik erwähnen, der eigentlich der Vater der Idee war, den Stollen wieder zu öffnen. Es war ein wirklich langer Weg. Vor dem Jahr 2016 war es notwendig, den Ort von angesammeltem Abfall zu reinigen und eine umfangreiche geophysikalische Untersuchung durchzuführen. Daran beteiligten sich Spitzenexperten der Akademie der Wissenschaften, des Tschechischen Geologischen Dienstes sowie Studenten der Karlsuniversität. Mit Hilfe moderner Technik wie Magnetometern oder Schlagseseismik gelang es uns, die Lage der alten, längst vergessenen Stollen genau zu kartieren.“
Und was werden die Besucher im Untergrund eigentlich sehen? „Sie gelangen in einen Gang, der mit speziellen Stahlausbauten, den sogenannten ‚Prager Rahmen‘, sicher befestigt ist. An seinem Ende sehen Sie einen faszinierenden vulkanischen Aufschluss, und seit diesem Jahr haben wir hinter dem Endgitter eine Neuheit – einen funktionierenden Seismometer. Dieser misst in Echtzeit schwache Erdbeben, die für unsere Region typisch sind. Wir bewegen uns etwa fünf Meter über dem Niveau der ursprünglichen historischen Stollen, die heute leider meist verschüttet oder mit Wasser überflutet sind“, erklärt der Kastellan.
Die Besichtigung selbst hat ihre Besonderheiten. „Allen Gästen leihen wir Schutzhelme aus. Man muss jedoch damit rechnen, dass der Gang nur etwa anderthalb Meter breit und knapp zwei Meter hoch ist. Für Menschen, die unter Klaustrophobie leiden, könnte dies unangenehm sein. Im Untergrund herrscht zudem eine konstante Temperatur von etwa 8 Grad, daher empfehle ich dringend wärmere Kleidung. Um das Erlebnis abzurunden, haben wir im Inneren ein LED-Panel installiert, auf dem ich eine Animation der Entstehung des Vulkans und authentische Aufnahmen von früheren Bergbauarbeiten zeige.“
Jan Buriánek beginnt die Führung immer stilvoll: „Zuerst mache ich die Gäste mit der Geschichte und dem berühmten wissenschaftlichen Streit zwischen Neptunisten und Plutonisten vertraut. Gemeinsam besichtigen wir das verzierte Portal mit der Inschrift von Graf Sternberg aus dem Jahr 1837. Ein häufiger Irrtum ist, dass sich der Vulkankrater in der sogenannten ‚Großen Grube‘ auf der Ostseite befindet. Wir gehen zwar dorthin, aber ich erkläre den Leuten, dass der eigentliche Krater früher über dem Portal lag, dort, wo heute die Felsen als Überreste des einstigen Lavaergußes zu sehen sind.“
Ondřej Míka schließt sich der Einladung zu den Besichtigungen an: „Bitte nehmen Sie die Einladung zu einem Treffen anlässlich der Eröffnung des neuen Lehrpfades am Kammerbühl an. Wir treffen uns am Freitag, den 24. April 2026 um 14:30 Uhr gegenüber der Bushaltestelle Komorní Dvůr (Informationstafel Nr. 1). Es erwartet uns ein symbolischer Umtrunk, eine geführte Besichtigung des Geländes einschließlich sechs neuer Elemente und natürlich der Besuch des Stollens mit einem Führer.“
Informationen für Besucher
Termine der geführten Besichtigungen:
Termine der geführten Besichtigungen 2026
| Monat | Termine (auf Tschechisch) | Termine (auf Deutsch) |
| April | 24., 25. | — |
| Mai | 22., 23., 29., 30. | 30. |
| Juni | 5., 6., 19., 20. | 20. |
| Juli | 10., 11., 24., 25. | 25. |
| August | 7., 8. | 8. |
| September | 11., 12., 25., 26. | 26. |
| Oktober | 10., 31. | 10. |
| November | 7., 21. | 7. |
Reservierung (vorab erforderlich):
Tschechische Sprache: Tel. +420 732 201 316 (Mo–Fr, 10:00–16:00 Uhr)
Deutsche Sprache: Tel. +420 737 281 039 (Mo–Fr, 10:00–16:00 Uhr)
Wichtige Hinweise:
- Der Zutritt ist Kindern ab 6 Jahren gestattet.
- Es ist geeignetes festes Schuhwerk erforderlich.
- Der Zutritt unter dem Einfluss von Suchtmitteln ist strengstens verboten.
- Der Besuch ist für Personen mit eingeschränkter Mobilität und Personen, die unter Klaustrophobie leiden, nicht geeignet.
