In Franzensbad erhielt Dr. Ulrike Zischka (*1945) am Dienstag, dem 7. Oktober, eine Ehrenurkunde für ihre bisherigen verdienstvollen Arbeiten, mit denen sie maßgeblich zur Kenntnis der Geschichte und Kultur der Kurstadt beigetragen hat. An dem feierlichen Akt, der im Rathaus von Franzensbad stattfand, nahm eine Reihe bedeutender Gäste teil, darunter Dr. Elisabeth Fendl (ehemalige Leiterin des Egerland Museums in Marktredwitz), PhDr. Eva Dittertová (ehemalige Leiterin des Museums Eger/Cheb) und PhDr. Hana Dvořáková vom MZM in Brünn/Brno.
Dr. Ulrike Zischka (*1945) – Die Frau, die Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart baut
Herkunft
Ulrike Zischka kam am Sonntag, dem 7. Oktober 1945, in der Franzensbader Villa Claire in der damaligen Hufelandstraße – heute Kollárova 183/10 – zur Welt. Es ist bezeichnend, dass die Straße damals den Namen des bedeutenden preußischen Arztes Christoph Wilhelm Hufeland trug, der im 19. Jahrhundert an der Wiege der Balneologie stand und maßgeblich zum Ruhm von Franzensbad beitrug. In diesem Teil der Stadt lebte nämlich neben Ulrikes Eltern eine ganze Reihe von Arztfamilien Ulrike Zischkas Vater, MUDr. Anton Zischka, kam 1927 nach Franzensbad, als er auf Beschluss des tschechoslowakischen Gesundheitsministeriums Stadtarzt wurde. Diese Funktion übte er bis 1938 aus. Als Kur- und praktischer Arzt betrieb er gleichzeitig eine private Praxis. Im Jahr 1929 heiratete er Hildegard Retter, deren Vater Willibald Retter leitender Lehrer der Schule in Oberlohma/Horní Lomany war.

Kindheit
Ulrike Zischka wurde zu einer Zeit geboren, als ihre Familie die Zwangsaussiedlung aus der Tschechoslowakei erwartete. Sie lebte bis Anfang Mai 1946 in Franzensbad. Damals musste Ulrike mit ihren Eltern in das Sammellager in die Egerer Obertorkaserne umziehen, von wo aus im August desselben Jahres die Aussiedlung von ihr, ihrer älteren Schwester und ihrer Mutter in das oberpfälzische Neumarkt folgte. Ihr Vater arbeitete, getreu dem hippokratischen Eid, weiterhin in der Tschechoslowakei, genauer gesagt im Internierungslager Písek-Cerhonice. Anton Zischka erhielt damals das Angebot, in der Tschechoslowakei zu bleiben. Das hätte jedoch die Trennung der Familie bedeutet. Trotz seiner Loyalität nutzte er 1947 die Möglichkeit zur Ausreise nach Deutschland. (Mehr dazu in der Diplomarbeit von Michael Sekyra „Alltag im Internierungslager Písek-Cerhonice“, verteidigt 2007 an der Südböhmischen Universität in České Budějovice.)
Beruflicher Werdegang
Im Jahr 1951 ließ sich die Familie in Neumarkt nieder, wo Ulrike die Grundschule und das Gymnasium besuchte. Nach dem frühen Tod des Vaters im Jahr 1956 setzte sie ihre Ausbildung am Gymnasium der Kongregation der Armen Schulschwestern Unserer Lieben Frau in München fort. Nach dem Abitur studierte sie an der Universität München Volkskunde und Kunstgeschichte. Da ihr Wunsch die Arbeit in einem Museum war, absolvierte sie nach ihrer Promotion 1973 ein einjähriges Volontariat am Deutschen Volkskundemuseum in Berlin, wo sie anschließend auch arbeitete. Im Jahr 1981 kehrte sie nach Bayern zurück, da sie im Münchner Stadtmuseum eine feste Anstellung als Kuratorin und Sammlungsleiterin der volkskundlichen Abteilung erhielt. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs begann sie, Kontakte zu Kollegen in Tschechien zu knüpfen, und arbeitete nach dem Jahr 2000 an der Realisierung von Studienaufenthalten für Mitarbeiter tschechischer Museen in Bayern mit.
Franzensbad
Eine neue, sehr aktive Phase ihres Lebens brachte der Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2008, als sie beschloss, ihr fachliches Wissen auf ihre Geburtsstadt zu konzentrieren. Mithilfe historischer Quellen überprüfte sie Familienerinnerungen an das Leben in Franzensbad und sammelte bei dieser Arbeit eine große Menge wertvoller Informationen aus der Alltagsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Damals vertiefte sie ihre Zusammenarbeit mit dem Museum Eger, der Franzensbader Alois John Gesellschaft und spätestens 2014 auch mit dem Stadtmuseum Franzensbad, zu dessen Tätigkeit sie in den vergangenen Jahren maßgeblich beigetragen hat. Neben der Transkription von Stadtchroniken aus dem 19. und 20. Jahrhundert, der Identifizierung einer Reihe von Sammlungsgegenständen und der unermüdlichen Hilfe bei der Realisierung von Ausstellungen, Vorträgen und Publikationen, zu denen auch die heute noch verwendeten Werbematerialien der Stadt gehören, sind ihr fundamentaler Beitrag zur Erweiterung der Museumssammlungen und zur Kenntnis der Stadtgeschichte hervorzuheben.
Im Jahr 2017 übernahm das Museum durch Ulrike Zischka einen wertvollen Nachlass, der anschließend im Rahmen der Ausstellung „Erfolgreiche Identitätssuche – das Vermächtnis von Toni Diessl an Franzensbad“ präsentiert wurde, an deren Realisierung sie ebenfalls beteiligt war. Im Laufe der Jahre schenkte sie dem Museum selbst eine Reihe von Sammlungsgegenständen, zu den wertvollsten gehört das Modell des Dudelsackspielers vom Brunnen in der einstigen Rothkirchstraße – heute Březinova – in Eger. Dieses Original des Franzensbader Bildhauers Adolf Mayerl ist seit 2021 Teil der ständigen Ausstellung des städtischen Museums. Ulrike Zischka war es auch, die Licht in die Entstehungsgeschichte der Statue des Buben mit Fisch gebracht hat, die längst unter dem Namen „Franz“ zum Symbol der Stadt geworden ist.
Nicht zuletzt ist ihr langjähriges Bemühen um die Wiederbelebung der Erinnerung an die Franzensbader Ärzte und ihre Familien zu nennen, von denen viele während des Zweiten Weltkriegs aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ein tragisches Schicksal erlitten. Obwohl Ulrike Zischka in diesem Oktober ihren 80. Geburtstag feiert, verlässt sie die Begeisterung für Franzensbad nicht. Motivation ist für sie nach eigenen Worten nicht nur die Freude am Entdecken der Stadtgeschichte, sondern vor allem auch die Begegnung mit der Gegenwart von Franzensbad, mit seinen Bewohnern und Besuchern. Dies beweist sie wiederholt bei kommentierten Stadtführungen, die sich der Geschichte der Balneologie und den Franzensbader Ärzten widmen. Kaum jemand hat in den letzten Jahrzehnten so viel zur Kenntnis der Stadtgeschichte beigetragen und vor allem mit solch positiver Begeisterung seine Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit vermittelt wie Dr. Ulrike Zischka. Sie hat es geschafft, das Schicksal der eigenen Familie mit einer symbolischen Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu überbrücken, deren Sinn das gegenseitige Verständnis zwischen Deutschen und Tschechen, zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart von Franzensbad ist. Was kann ein Mensch mehr für seine Geburtsstadt bewirken!
Štěpán Karel Odstrčil
