Wenn Sie Ruhe suchen und einen Ort, an dem die Natur über die Spuren des Menschen siegt, machen Sie sich auf den Weg in das Naturschutzgebiet Rathsam. Dieses einzigartige Areal erstreckt sich direkt an der Grenze zu Deutschland, unweit von Pomezí nad Ohří (Mühlbach), an jener Stelle, wo der Fluss Reslava (Röslau) in die Eger (Ohře) mündet. Auf einer Fläche von fast 50 Hektar finden Sie hier undurchdringliche Feuchtgebiete, Auenwälder und geheimnisvolle Winkel, in denen einst das menschliche Leben pulsierte.
Die Geschichte der geteilten Siedlung
Ein starkes Kapitel dieses Ortes ist die Geschichte der Siedlung Fischern (Rybáře). Das ursprünglich geschlossene Dorf wurde im 19. Jahrhundert durch die Grenze in einen böhmischen und einen bayerischen Teil getrennt. Nach 1945 verwaiste die tschechische Seite der Siedlung jedoch, da die Bewohner über die Brücke nach Bayern zogen. Nach der Zerstörung der Grenzbrücke blieb die Siedlung endgültig abgeschnitten, und in den 1950er Jahren wurden die verbliebenen Gebäude im Zuge der Errichtung des Sperrgebiets gesprengt. Heute finden sich anstelle der Häuser nur noch Reste der Grundmauern, die langsam von der Vegetation verschlungen werden, sowie das noch erkennbare Bett des ursprünglichen Mühlgrabens.
Heilsames Wasser im Tal
Die einzige Erinnerung an alte Zeiten, die bis heute dient, ist der sogenannte Fischern-Säuerling (Rybářská kyselka), auch wenn die Pumpe derzeit leider nicht funktionstüchtig ist. Diese eisenhaltige Mineralquelle entspringt im Egertal und ist ein Relikt postvulkanischer Aktivität in unserem Bäderdreieck. Das Wasser ist reich an Magnesium, Kalzium und Eisen.
Ein Paradies für die Tierwelt
Da das Gebiet von direkten menschlichen Eingriffen verschont geblieben ist, hat es sich zu einem überregionalen Biozentrum entwickelt. Entlang der Ufer kann man leicht abgenagte Baumstämme entdecken – ein untrügliches Zeichen für die Arbeit des Europäischen Bibers. Wer sich leise verhält, bekommt vielleicht einen Eisvogel, einen Fischotter oder die seltene Rohrweihe zu Gesicht.
Neue Rastmöglichkeiten für Ausflügler
Auf dem Weg nach Rathsam sind zudem in letzter Zeit neue Elemente hinzugekommen, die den Aufenthalt in der Natur verschönern.
„Auf der Strecke wurden neue Rastmöglichkeiten geschaffen, die nicht nur Einheimische, sondern auch tschechische und deutsche Radfahrer sowie Wanderer freuen werden, von denen diese Route stark genutzt wird. Besucher können nun in Ruhe verweilen und den Blick auf die Landschaft genießen oder die Sitzgruppen mit Tischen für eine angenehme Pause mitten in der Natur nutzen. Das gesamte Projekt entstand auf Initiative der Einwohner von Pomezí nad Ohří selbst, die die Attraktivität der Umgebung für Familien mit Kindern steigern und den nachhaltigen Tourismus in unserer Region fördern wollten“, so der Bürgermeister der Gemeinde, Radek Tlačil.
Heilung der Umwelt
Obwohl Rathsam heute Wildnis ist, musste das Gebiet in der Vergangenheit ökologische Belastungen durch eine Chemiefabrik im deutschen Marktredwitz bewältigen. Heute ist die Situation jedoch unter Kontrolle. Kontaminiertes Erdreich wurde abgetragen, und die Qualität von Wasser und Fischen wird regelmäßig überwacht, damit die Reinheit dieses kostbaren Gebiets bewahrt bleibt.
